86 Prozent Wirtschaftswachstum: Oh, wie schön ist Guyana!

Die Geschichte, wie der kleine Tiger und der kleine Bär ein echtes Wirtschaftswunderkind entdeckt haben.

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Guyana? Das hat doch mit dem Klimawandel zu tun? Stimmt: Nach Ansicht von Klimaexperten der Weltbank gehört Guyana zu den Staaten im südamerikanisch-karibischen Raum, die von einem Anstieg des Meeresspiegels im Zuge des Klimawandels besonders stark betroffen sein werden. Ein Meeresspiegelanstieg von einem Meter würde in Guyana ein Gebiet überschwemmen, in dem 70% der Bevölkerung leben und 40% der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes liegen.

Wo liegt dieses Land überhaupt? Zwischen 1° und 8,5° nördlicher Breite und zwischen 57° und 61° westlicher Länge. Der tiefste Punkt befindet sich an der Atlantikküste, der höchste Punkt ist der Berg Roraima-Tepui mit 2.810 m. An der Grenze zu Venezuela und Brasilien erhebt sich das Bergland von Guayana, nach dem der Staat benannt wurde.

Bewegte Vergangenheit – glorreiche Zukunft?

Die ersten Europäer siedelten sich vor rund vier Jahrhunderten an; in der Vergangenheit wechselte Guyana zwischen niederländischer, französischer und britischer Herrschaft hin und her. Am 26. Mai 1966 wurde Guyana unabhängig. Und jetzt kommt’s: „Guyana wird das reichste Land der Hemisphäre und möglicherweise das reichste Land der Welt.“ Mit dieser doch gewagt anmutenden Aussage prophezeit der US-Botschafter des derzeit noch zweitärmsten Landes von Südamerika, Perry Holloway, eine goldene Zukunft. Denn nach doch eher beschaulichen 4,4% Wachstum heuer könnte Guyana im nächsten Jahr die traditionellen Musterschüler in Sachen Wachstum, wie China und Indien, mit einem prognostizierten Plus von 86% weit in den Schatten stellen. „Wir setzen von sehr niedrigem Niveau zu einem Stratosphärensprung an“, zitiert die Wirtschaftsplattform Bloomberg dazu Guyanas Finanzminister Winston Jordan.

Eine Schlüsselrolle beim prognostizierten Wirtschaftswachstum spielt der US-Ölkonzern ExxonMobil, der laut Bloomberg baldigst die ersten Ölpumpen anwerfen will (oder dies zum Zeitpunkt, wenn Sie diesen TOP LEADER-Newsletter lesen, bereits getan hat.) Bis 2025 soll die tägliche Förderung dann auf 750.000 Barrel und damit knapp 120 Mio. Liter Rohöl ansteigen. Parallel zur Ölförderung erwartet der IWF dann auch einen Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP): Bis 2024 soll sich Guyanas Wirtschaftsleistung von derzeit 3,6 auf knapp 13,5 Mrd. € fast vervierfachen (!). Der Ölsektor könnte laut IWF zudem in nur fünf Jahren 40% der Wirtschaft Guyanas ausmachen.

ExxonMobil sucht bereits seit 2008 und damit ein Jahr nach der Verstaatlichung des Ölsektors im benachbarten Venezuela vor Guyana nach Öl. Medienberichten zufolge hat der US-Konzern mittlerweile 13 Ölfelder mit einem Volumen von insgesamt 5,5 Mrd. Barrel Öl ausfindig gemacht. Die Exploration konzentriert sich dabei auf ein als „Stabroek Block“ bezeichnetes, rund 26.800 km2 großes Gebiet, in dem das bereits 2015 entdeckte Ölfeld „Liza“ nun auch als erstes angezapft wird. „Mit an Bord“ ist laut Bloomberg der chinesische Ölkonzern China National Offshore Oil Corporation (CNOOC). Und auch andere Unternehmen wie der französische Total-Konzern, der in London sitzende multinationale Tullow-Konzern und Spaniens Repsol sind in den Gewässern Guyanas auf der Suche nach Öl.

Norwegen als großes Vorbild

Bereits jetzt ist von den weltweit bedeutendsten Funden seit der Jahrtausendwende die Rede. Geht es nach der US-Behörde United States Geological Survey (USGS), dann ist Stabroek die weltweit zweitgrößte, noch unerschlossene Ölquelle. Experten gehen davon aus, dass vor Guyana noch weit mehr Öl entdeckt werden könnte – zehn Mrd. Barrel seien „realistisch“, heißt es dazu im Industrieportal VDMA mit Verweis auf eine Studie des Beratungsunternehmens Wood Mackenzie. Guyana könne im nächsten Jahrzehnt „mit Leichtigkeit viertgrößter Ölproduzent in Lateinamerika“ werden „und womöglich sogar an Venezuela und Mexiko vorbeiziehen, um den zweiten Platz (hinter Brasilien) zu belegen“.

Während der IWF davor warnt, dass bereits kleinste Änderungen der bisher prognostizierten Ölproduktion zu großen Schwankungen in der gesamtwirtschaftlichen Leistung führen könnten, hegt die Regierung Guyanas offenbar große Pläne. Finanzminister Jordan kündigte bereits an, mit einem Teil der aus den Lizenzgebühren erwarteten Gelder Autobahnen zu bauen, um die Küstenstädte mit dem dünn besiedelten Landesinneren zu verbinden.

Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sollen zunächst aber in einen Staatsfonds fließen – ganz nach dem Vorbild Norwegen soll auch in Guyana damit für kommende Generationen vorgesorgt werden. Allein der Blick auf das Nachbarland Venezuela macht jedenfalls mehr als deutlich, dass Ölreichtum auch mit großen Herausforderungen einhergeht. Während die von hoher Arbeits- und Perspektivlosigkeit geplagte Bevölkerung auf einen Ölboom hofft, der auch ihr zugutekommt, wird somit auch vor einem „Ölfluch“ gewarnt, welcher Länder mit großen Ressourcenvorkommen heimsucht. „Wir haben die Erfahrungen in anderen Ländern miterlebt“, zitiert dazu Latina-Press Vincent Adams von der Umweltschutzbehörde Guyanas: „Sie hatten all diesen Ölreichtum, und vielen dieser Länder geht es jetzt schlechter als vor dem Öl.“

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