Deutschlands Börse-Shootingstar ist ein Österreicher

Die spannende Story von Wirecard-Chef Markus Braun. Zugegeben: Diese Geschichte ist nichts für schwache Nerven – vor allem für all jene, die sich am Aktienkurs von Wirecard orientieren …

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Sie beginnt 1969 in Wien mit der Geburt von Markus Braun. 26 Jahre später schloss er sein 1989 begonnenes Studium der Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Wien ab und promovierte 2000 in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Bereits 1995/96 arbeitete er als Forschungsassistent am Institut für angewandte Informatik und Informationssysteme der Wiener Universität.

Seine berufliche Karriere startete Braun als Consultant bei der Contrast Management Consulting GmbH in Wien, von 1998 bis 2001 arbeitete er als Projektmanager im Bereich eStrategy für die KPMG Deutschland in München. Im Jänner 2002 trat Braun als CEO und CTO in den Vorstand der Wirecard AG ein.

17 Jahre später ist Wirecard (mit Sitz in München) eine der weltweit größten digitalen Plattformen im Bereich Financial Commerce. Als DAX-Mitglied ist es eines der 30 wertvollsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands und wurde von Forbes unter den „Top 100 Most Innovative Growth Companies in the World“ (eines der weltweit 100 innovativsten Wachstumsunternehmen) gelistet. 2017 wurde Braun bis zum 31. Dezember 2020 als CEO wiederbestellt – ihm gehören mehr als sieben Prozent der Wirecard-Aktien; diese waren im September 2018 mehr als 1,6 Mrd. € wert.

Ein wildes Auf und Ab

Allerdings: Dass der Wert der Wirecard-Papiere „schwanken“ würde, ist fast untertrieben. Von Beginn bis Mitte des Jahres machte die Aktie einen wilden Ritt mit vielen Auf und Abs. Dabei kamen tägliche Aktienbewegungen im mittleren bis einstelligen Prozentbereich immer wieder vor. Diese standen vor allem im Zusammenhang mit dem in Medienberichten (insbesondere in der Financial Times) erhobenen Verdacht krimineller Bilanzfälschungen in Singapur. Im Zuge zahlreicher Dementis, einer Klage (Wirecard verklagte die FT wegen Kursmanipulation) und weiterer Artikel der Financial Times wies der Aktienkurs eine hohe Volatilität auf. Zuletzt erhob die britische Finanzzeitung weitere Vorwürfe, wonach die Hälfte des weltweiten Umsatzes und ein Großteil des Wirecard-Gewinns in der Vergangenheit von drei undurchsichtigen Partnern stammten, was von Braun bzw. Wirecard umgehend dementiert wurde.

Insgesamt brach der Aktienkurs nach der Veröffentlichung des angeblichen Singapur-Skandals Ende Jänner um 42% ein, konnte sich jedoch nach einigen Schwankungen wieder stabilisieren. Am 23. April schlug die Nachricht, dass der renommierte und einflussreiche japanische Konzern Softbank bei Wirecard als Ankeraktionär einsteigen wird, hohe Wellen. Demnach soll in einem ersten Schritt eine Wandelschuldverschreibung über 900 Mio. € erworben werden und den Beginn einer strategischen Partnerschaft darstellen. Nach einer Laufzeit von fünf Jahren kann die Anleihe in gut 6,9 Mio. Aktien des DAX-Konzerns (= 5,6% des Grundkapitals) zu einem Preis von 130 € je Stück gewandelt werden. An diesem besagten 23. April legte die Wirecard-Aktie um rund 16% zu und konnte damit auf einen Schlag einen Teil der Kursverluste im Zusammenhang mit den Vorwürfen der FT wieder gutmachen. Die Zahlen zum Geschäftsjahr 2019 lagen im Rahmen der Erwartungen und skizzieren den starken Wachstumspfad der vergangenen Jahre weiter. Zu den Singapur-Vorwürfen sah sich Markus Braun in seiner Einschätzung nun nicht „nur“ von seinen eigenen Rechtsanwälten, sondern auch von Wirtschaftsprüfern bestätigt. Bei der Sichtung des Geschäftsberichts und weiterer Unterlagen konnte Ernst & Young (EY) keine Hinweise auf gröbere Verfehlungen finden und erteilte dem Zahlungsdienstleister ein uneingeschränktes Testat für das Jahr 2018.

Auf Expansionskurs

Die Aktie von Wirecard (Wertpapierkennnummer/WKN: 747206) ist eine beeindruckende Wachstumsgeschichte geblieben und in drei Monaten um mehr als 30% gestiegen. Sowohl das operative Zahlenwerk als auch viele Kooperationen unterstreichen Tag für Tag, wie jung und dynamisch dieser innovative Zahlungsdienstleister ist. Im langjährigen Vergleich ist Wirecard noch immer eine solide Chance mit so manchen Kursverdopplern, die Investoren der frühen Stunde eine heiße Gesamtrendite beschert haben.

Selbstverständlich hängt vieles bei Wirecard – das von manchen Analysten bereits mit Amazon verglichen wurde – von einem gewaltigen Megatrend ab: jenem nämlich, dass viele Verbraucher immer mehr auf neue, innovative und insbesondere digitale Bezahlwege setzen und dass die jeweiligen Unternehmen derzeit bemüht sind, solche in ihr Repertoire mit aufzunehmen, um sich für die sich wandelnden Ereignisse zu rüsten.

Das betrifft zum einen natürlich neue E-Commerce-Akteure, die immer stärker auf den Markt drängen, allerdings auch klassische und sogar konservative Handelsbereiche wie Discounter. Mit Aldi konnte Wirecard bereits einen ersten derartigen Großkunden für die Abwicklung der Kreditkartenzahlungen gewinnen, weitere dürften folgen.

Das verleitet sowohl Wirecard als auch die Investoren dazu, groß zu denken. In den kommenden Jahren rechnet das Unternehmen mit einem gewaltigen Wachstum, bis zum Geschäftsjahr 2025 sollen die Umsätze bereits auf rund zehn Mrd. € ansteigen, bei einem operativen Ergebnis von 3,3 Mrd. und einem Transaktionsvolumen, das die Schwelle von 700 (!) Mrd. überschreiten soll.

Wirecard könnte schließlich auch über 2025 hinweg weiter wachsen. Selbst wenn die Wachstumsraten dann möglicherweise ein wenig geringer sein werden, dürfte der innovative Zahlungsdienstleister ab diesem Zeitpunkt dennoch den Megatrend des mobilen und digitalen Bezahlens weiterreiten können. Aus operativer Sicht scheint dann noch immer nicht Schluss zu sein.

Allerdings ist es nicht bloß die Wachstumsgeschichte, die Mut macht, dass Wirecard ab einem bestimmten Zeitpunkt sogar die DAX-Spitze erklimmen könnte, sondern es sind auch die jeweiligen Vergleichsgrößen. PayPal kommt momentan auf ein Börsengewicht von 126 Mrd. USD, und eine etablierte Größe im Bereich der Kreditkarten, Visa, schafft es sogar auf einen Börsenwert von fast 400 Mrd. USD. Das könnten prinzipiell interessante Vergleichswerte sein, wo auch bei Wirecard langfristig die Reise hingehen wird.

Natürlich ist es bis dahin noch ein langer Weg, und Wirecard muss erst beweisen, dass es eine internationale Größe im Zahlungsverkehr werden kann. Nichtsdestoweniger könnte der innovative Zahlungsdienstleister trotz einer aktuellen Marktkapitalisierung in Höhe von knapp unter 20 Mrd. € in solche Größenbereiche hineinwachsen – sofern man die ausgeteilten Karten richtig ausspielt. Der digitale Bezahlmarkt dürfte ein solches Wachstum noch immer hergeben.

Auch dadurch könnte Wirecard ein heißer Aspirant werden, um es auf die DAX-Spitze zu schaffen. Momentan thront hier noch der Software-Riese SAP, der es immerhin auf ein Börsengewicht von mehr als 130 Mrd. € bringt.

Der Megatrend des digitalen Bezahlens, das aktuelle Wachstum und die Vergleichsgrößen zeigen somit in eine spannende Richtung: Wirecard – und damit Markus Braun – könnte noch eine lange, aufregende Reise vor sich haben und in den nächsten Jahren oder auch Jahrzehnten vielleicht sogar die DAX-Spitze einnehmen – zumindest wenn Braun und „sein“ Management auf Kurs bleibt und das Unternehmen zu einer etablierten, internationalen Größe im digitalen Zahlungsverkehr werden lässt.

Immerhin verfügt der erfolgreiche Österreicher nun bereits über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich digitales Bezahlen und agiert regelmäßig als gefragter Sprecher auf branchenbezogenen Veranstaltungen sowie in verschiedenen (inter-)nationalen Medien. Laut Braun wird im nächsten Jahrzehnt die gesamte Bezahl-Infrastruktur des Handels durch eine Technologie ersetzt, die alle Zahlungsströme in einem einzigen, volldigitalen System zusammenführt. Und es gibt nicht wenige, die daran – und (auch) an den Wirecard-Chef – glauben: Braun wurde u.a. von trend und Handelsblatt zum „Aufsteiger des Jahres“ gekürt und ihm wurde von Media Tenor, einem international operierenden Schweizer Unternehmen für Medienanalysen, das „beste Image aller DAX-CEOs“ zugestanden. Kein Wunder also, dass der Mann aus Wien bereits bis zum 31. Dezember 2020 als Wirecard-Vorstand bestellt wurde …

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