Die Wiener Börse hält sich sehr ordentlich

Erstes Halbjahr bringt Volatilität, hohe Umsätze und neue Höchststände bei Anleihen-Listings.

Lesezeit: ca. 4 min

Placeholder image

Die Handelsumsätze an der Wiener Börse haben sich im ersten Halbjahr positiv entwickelt: mit 39,18 Mrd. Euro liegen sie mehr als ein Fünftel (plus 23,86 Prozent) über der Vergleichsperiode des Vorjahres. Gleichzeitig baute der heimische Börsenbetreiber seine Marktanteile aus. Die Zahl der neu an der Wiener Börse gelisteten Anleihen hat sich verglichen zum ersten Halbjahr 2019 mehr als verdreifacht. Seit Beginn des Jahres gab es 1.020 neue Bond-Listings. 676 stammen von internationalen Kunden, darunter die Banco Bilbao Vizcaya Argentina, die zweitgrößte Bank Spaniens und eine der 50 größten Banken weltweit. Seit März ist sie der größte Anleiheemittent in Wien.

„Dass mehr Unternehmen die heimische Börse nutzen, wird für künftiges Wachstum entscheidend sein“, sagt Börsenvorstand Christoph Boschan. „Während aktuell noch Kredite im Vordergrund stehen, wird bald die Stunde des Eigenkapitals schlagen. Denn der Weg aus der Krise führt langfristig nur über Rekapitalisierung. Damit es für Österreichs Wirtschaft schneller bergauf geht, braucht es eine rasche Fortsetzung des von der Regierung vor Corona eingeschlagenen Weges.“

Pandemie sorgt für Schwankungen an den Börsenmärkten

Mit 6,53 Mrd. Euro lag der durchschnittliche Monatsumsatz in Wien auf dem höchsten Wert seit 2010. An den beiden stärksten Handelstagen im ersten Halbjahr, dem 20. März und dem 19. Juni (Quartalsverfallstag), wurden 777 und 915 Mio. Euro umgesetzt. Die umsatzstärksten österreichischen Aktien im ersten Halbjahr 2020 waren Erste Group Bank AG mit 7,09 Mrd., vor OMV AG mit 5,51 Mrd. und Raiffeisen Bank International AG mit 3,34 Mrd. Euro. Auf Platz vier und fünf folgten voestalpine AG (3,12 Mrd.) und Verbund AG (2,46 Mrd. Euro).

Neue Initiativen der Wiener Börse, wie der Handel an Feiertagen und die Erweiterung des internationalen Segments „global market“, liefern zusätzliches Volumen. Im global market verzeichnet die Wiener Börse 2020 bislang knapp 1,73 Mrd. Euro Umsatz, im gesamten Jahr 2019 waren es 1,79 Mrd. Der Feiertagshandel am 6. Jänner (138 Mio., 2019 fiel der 6. Jänner auf ein Wochenende), 21. Mai (185 Mio., + 40 Mio. mehr als im Vorjahr) und 11. Juni (288 Mio., + 87 Mio. Mehr als im Vorjahr) brachte zusätzliche 611 Mio. Euro. Mehr als 85 Prozent der Aktienumsätze an der Wiener Börse kommen von internationalen Handelsteilnehmern.

Der heimische Leitindex ATX fiel im Jahresverlauf 2020 um 29,14 Prozent. Das Jahreshoch am 2. Jänner lag bei 6.208,00 Punkten, das Jahrestief am 18. März bei 3.135,05 Punkten. Seit dem Jahrestiefststand und dem gemeinsamen Aufruf der börsennotierten Unternehmen und wichtiger Stakeholder an die Investoren, sich nicht von österreichischen Aktien abzuwenden, verzeichnete der österreichische Nationalindex einen Zuwachs von +38,47 Prozent. Die Marktkapitalisierung aller heimischen, an der Wiener Börse notierten Unternehmen lag per 30. Juni 2020 bei 90,04 Milliarden Euro.

15 Jahre VÖNIX Nachhaltigkeitsindex an der Wiener Börse

Seit Juni hat der VÖNIX – einer der weltweit ersten nationalen Nachhaltigkeitsindizes – eine neue Zusammensetzung: Neu in den Index aufgenommen wurde die Raiffeisen Bank International AG. Der VÖNIX ist in sein 16. Index-Jahr getartet und ist damit ein Zeichen für gelebte Nachhaltigkeit am Standort Österreich. Er beinhaltet jene an der Wiener Börse notierten Unternehmen, die hinsichtlich ökologischer und gesellschaftlicher Aktivitäten und Leistungen führend sind. Die Berechnung und Verteilung erfolgt durch die Wiener Börse.

Das sind die 19 VÖNIX-Mitglieder 2020/21:

  • Agrana Beteiligungs-AG
  • AMAG Austria Metall AG
  • AT & S
  • BKS Bank
  • Burgenland Holding
  • CA Immobilien Anlagen
  • Erste Group Bank
  • EVN
  • Kapsch TrafficCom
  • Lenzing
  • Palfinger
  • Raiffeisen Bank International
  • Rosenbauer
  • Telekom
  • Uniqa Insurance Group
  • Verbund
  • Vienna Insurance Group
  • Wienerberger
  • Zumtobel

Namhafte Akteure des heimischen Kapitalmarkts ermöglichen durch ihre Kompetenzen und Beiträge das laufende Indexmanagement und Nachhaltigkeitsresearch. Diese Partner sind die VBV-Vorsorgekasse, die Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative und die Security KAG sowie, als technische Partner, die rfu – verantwortlich für die Nachhaltigkeitsanalyse – und die Wiener Börse – zuständig für Indexmanagement und laufende Berechnung und Publikation.

Die Ausgezeichneten

Wiener Börse Preis 2020: OMV gewinnt ATX- und Corporate Bond-Preis

Der Wiener Börse Preis wurde heuer aufgrund der Covid-19-Maßnahmen schon vor einiger Zeit in kleinem Rahmen in der Wiener Börse übergeben. Der ATX-Preis 2020 ging an die OMV, die damit erstmals die Königsdisziplin für sich entscheiden konnte. Das Unternehmen überzeugte die Juroren und Kapitalmarkt-Experten der ÖVFA mit einer ausgezeichneten und ausführlichen Finanzberichterstattung, umfangreicher IR-Tätigkeit sowie sehr guter Performance und Liquidität im Berichtsjahr 2019. Weiters punktete der Konzern mit klarer Strategie sowie gut wahrnehmbarer Corporate Governance. Die OMV landet auch beim Corporate Bond-Preis auf dem ersten Platz. Insgesamt ist OMV mit 16 Auszeichnungen das meistgekürte Unternehmen in der Geschichte des Wiener Börse Preises.

In der Kategorie „Mid Cap“ stand heuer Palfinger auf Platz 1. Das Unternehmen überzeugte die Jury im Peer Group-Vergleich und bei Strategie/Unternehmensführung. Der VÖNIX-Nachhaltigkeitspreis ging an die Oberbank, die mit ihrer gesamtheitlich nachhaltigen Geschäftsstrategie hervorstach und heuer erstmals einen Preis entgegennahm. Bei den Medien punktete heuer die Erste Group: Sie eroberte den ersten Platz in der Kategorie „Journalisten-Preis“, nach Stockerlplätzen in den vergangenen drei Jahren. Die Fach-Jury begründete ihre Wahl mit dem umfangreichen Angebot für Journalisten, womit das Medien-Team der Erste Group Standards für Kommunikation in der Finanzbranche setzt.

Die Preisträger 2020 auf einen Blick

ATX-Preis

  1. Platz: OMV AG
  2. Platz: Wienerberger AG
  3. Platz: CA Immobilien Anlagen AG

VÖNIX Nachhaltigkeitspreis

  1. Platz: Oberbank AG
  2. Platz: Lenzing AG und Telekom Austria AG

Mid Cap-Preis

  1. Platz: Palfinger AG
  2. Platz: UBM Development AG
  3. Platz: Marinomed Biotech AG

Journalisten-Preis

  1. Platz: Erste Group Bank AG
  2. Platz: Flughafen Wien AG
  3. Platz: Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG

Corporate Bond-Preis

  1. Platz: OMV AG

Der Wiener Börse Preis wird gemeinsam von Aktienforum, APA-Finance, Cercle Investor Relations Austria (C.I.R.A.), Oesterreichische Kontrollbank (OeKB), Oesterreichische Nationalbank (OeNB), Österreichische Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (ÖVFA) mit CFA Society Austria, Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG), VÖNIX-Beirat, Wiener Börse, Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und Zertifikate Forum Austria (ZFA) verliehen.

„Die Stärke der heimischen börsengelisteten Unternehmen ist Teil jener Kraft, die für den Wohlstand und die Weiterentwicklung Österreichs entscheidend ist“, meint Christoph Boschan. „Mit der Dynamik der österreichischen Unternehmen konnte ein Stillstand im Land vermieden werden. Die Auszeichnung mit dem Wiener Börse Preis soll den Aushängeschildern am heimischen Markt Rechnung tragen. Sie ist nur ein kleiner Teil der Anerkennung, die den heimischen Unternehmen zusteht.“

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren.
Artikel lesen
Lesezeit: ca. 3 min

So wird’s gemacht: Der Homeoffice-Leitfaden für Technologie, IT-Sicherheit, Ergonomie und Digitalisierung

Viele Unternehmen haben in den vergangenen Tagen und Wochen ihre Büros geschlossen und ihre Mitarbeiter dazu angehalten, bis auf weiteres im Homeoffice zu arbeiten.

Artikel lesen
Lesezeit: ca. 2 min

Zurück ins Büro – so kann’s gelingen

Die 15 wichtigsten Tipps und Tricks zur Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Artikel lesen
Lesezeit: ca. 5 min

Was uns das Virus kostet

Wer prüft die Fakten, nennt die Zahlen? Die Corona-Krise verschont so gut wie niemanden. Hier gibt’s den fundierten Überblick über die aktuelle Situation der heimischen Wirtschaft.

Artikel lesen
Lesezeit: ca. 6 min

Wirtschaft ist Psychologie

Was brauchen Unternehmen, um die Corona-Krise bestmöglich zu überstehen und wie wird die Wirtschaft danach aussehen? Ein Gespräch mit dem Bau-Unternehmer und Wiener Wirtschaftskammer Präsidenten Walter Ruck über Digitalisierung, Innovation und das Problem der Ungewissheit.

News
alle
Artikel lesen
Lesezeit: ca. 6 min

Loslegen mit der E-Mobilität!

Neue Generationen an E-Autos sind in der Produktion, modernste Ladetechnik ist verfügbar, die Systemanbieter stehen bereit.

Artikel lesen
Lesezeit: ca. 2 min

Klosterneuburg ist 275 mal teurer als Ludweis-Aigen

Die niederösterreichischen Grundstückspreise sind sehr unterschiedlich.

Artikel lesen
Lesezeit: ca. 4 min

Mehr Transparenz erbeten

Österreichs Gemeinden haben in puncto „Durchsichtigkeit“ teilweise noch erheblichen Nachholbedarf. Gold, Silber und Bronze erobern die größten Städte Wien, Graz und Linz.

Artikel lesen
Lesezeit: ca. 3 min

Leadership: Warum in harten Zeiten nur Ehrlichkeit zählt

„Wir sitzen alle im selben Boot.“ Dieses Gefühl versuchen Unternehmen ihren Mitarbeitern oft zu vermitteln. Doch diese „Wir-Ideologie“ platzt meist schnell, wenn es im Markt – wie aktuell in vielen Branchen – mal etwas rauer zugeht und dem Unternehmen beispielsweise die Erträge wegbrechen.

Registrieren