Energy Tomorrow – da muss es richtig kreiseln!

TOP LEADER war im Mai bei der Ausgabe des Events „Energy Tomorrow“ zugegen und ließ sich von renommierten Experten wie Prof. Volker Quaschning (Energiewende-Forscher der HTW Berlin) über Dekarbonisierung, optimierte Speichersysteme und Künstliche Intelligenz für alternative Energien informieren.

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Mit dabei war auch Peter Blaschek von der Kreisel Group – und dieses herausragende, junge Unternehmen aus dem Bezirk Freistadt im Mühlviertel hat sich TOP LEADER dann gleich auch genauer angesehen.

Die fortschreitende Erderwärmung und ihre Folgen für Mensch und Wirtschaft sowie Maßnahmen, die dagegen ergriffen werden können, standen im Fokus der Energiekonferenz „Energy Tomorrow“ im Frühling dieses Jahres. Zum achten Mal trafen einander im Wiener Ares Tower renommierte Experten auf Einladung von TPA, um drängende Themen unserer Energiezukunft zu beleuchten. Gastgeberin und TPA-Partnerin Karin Fuhrmann: „Noch ist es nicht zu spät, gegenzusteuern. Um den Klimawandel zu bremsen, müssen nun aber sehr rasch Taten folgen. Wirtschaftlich und technisch ist der Wandel machbar. Und in Österreich haben wir den Vorteil hoher rechtlicher Stabilität und langjähriger Erfahrung mit erneuerbaren Energien, verglichen mit anderen Ländern.“

Eckpunkte der österreichischen Klima- und Energiestrategie präsentierte Josef Plank, Generalsekretär des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus. Bis 2030 soll Strom zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden, skizzierte Plank eines der ambitionierten Ziele; derzeit geht dieser Anteil gegen 34%. Österreich befindet sich mit einem hohen Anteil an Wasserkraft und Biomasse im vorderen Bereich der Länder in Europa. Mangels ausreichender heimischer Vorkommen muss Österreich aber einen Großteil der fossilen Energien importieren. Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger wie Photovoltaik, Windenergie und Wasserkraft sei auch volkswirtschaftlich eine große Chance, betont Plank: „Die Umstellung auf nachhaltige Energiesysteme wird der größte Investitionstreiber sein, den wir je hatten. Die regionale Energieproduktion ist krisensicher und kann Tausende Arbeitsplätze schaffen. Und natürlich ist sie ein starker Träger für eine klimaverträgliche Energiepolitik.“

Strom aus erneuerbaren Energiequellen werde ein zentraler Faktor sein – besonders auch im Bereich der Mobilität; hier sieht Plank aber auch großes Potenzial für Wasserstoffantriebe. Wichtig sei auch die Integration und gegenseitige Verschränkung der Energiesysteme Wärme, Strom und Mobilität. Als problematisch sieht Plank, dass es zahlreiche unterschiedliche Interessen im Energiebereich gibt und die einzelnen europäischen Länder ganz unterschiedliche Voraussetzungen für die Dekarbonisierung mitbringen.

Die Zeit drängt

Warum wir eine echte Revolution statt der sanften Energiewende brauchen, zeigte Prof. Volker Quaschning, renommierter Energiewende-Forscher der HTW Berlin, anschaulich auf. 3,5 Grad betrug der Temperaturanstieg auf der Erde seit der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren. Ein weiterer Anstieg von 1 Grad wurde allein seit 1900 verzeichnet. Bis zu 5 Grad könnte der zusätzliche Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 betragen, zeigen Studien. Wenn nicht rasch durchgreifende Änderungen erfolgen, würden 100 Mio. Menschen ihren Lebensraum verlieren, die Wasserversorgung auf der Erde sei bedroht und riesige Migrationsbewegungen seien zu erwarten, so Quaschning. 214 Mio. Klimaflüchtlinge habe es von 2008–2017 bereits gegeben, allein 2017 waren es 18 Mio.: „Die Klimaberichte der Vereinten Nationen zeigen klar: Wir müssen in den nächsten 15 bis 20 Jahren unsere Energieversorgung komplett klimaneutral gestalten, wenn wir die schlimmsten Klimafolgen vermeiden wollen – also weg von Öl, Gas und Kohle. Die Technologien für die Umstellung sind vorhanden und bezahlbar, nun gilt es, sie in allen Bereichen einzuführen, bei der Wärme- und Stromversorgung wie auch im Verkehr. Das ist eine große Herausforderung – aber noch machbar.“

Bei der Stromerzeugung müssten vor allem Photovoltaik und Windenergie massiv ausgebaut und Speicherkapazitäten geschaffen werden. Im Verkehrsbereich müsse man auf 100% Elektromobilität kommen. Öl- und Gasheizungen sowie thermische Kraftwerke müssten vom Markt verschwinden, stattdessen Biomassekraftwerke stark ausgebaut werden. „Werden wir zu Helden unserer Enkelkinder“, plädiert Quaschning für eine rasche Richtungsänderung.

Forschung unterstützt Industrie

Wichtige Unterstützung erhält die Industrie bei ihrer Umstellung auf erneuerbare Energiesysteme aus der Forschung. Wolfgang Hribernik, Leiter des Center for Energy am AIT (Austrian Institute of Technology), größte außeruniversitäre Forschungsstelle des Landes, berichtet, dass etwa technologische Entwicklungen im Bereich der Leistungselektronik und in der Transformation des Stromsektors gemeinsam mit der Industrie entwickelt und getestet werden – von neuen Wechselrichtern bis zu Speichersystemen. Mit den Netzbetreibern wird intensiv an der Erprobung dieser Systeme und der Validierung im Marktumfeld gearbeitet.

Innovative Finanzierungskonzepte im Bereich der erneuerbaren Energien beleuchtete Constantin Benes, Rechtsanwalt bei Schönherr. Sogenannten DBOOT-Vertragsmodellen (Design, Build, Own, Operate, Transfer) räumt er dabei gute Chancen ein – vor allem bei komplexen Projekten etwa in Ländern, deren Energieversorgung noch unterentwickelt ist. Dabei kümmert sich ein Kooperationspartner um die gesamte Projektabwicklung – von der Planung über die Finanzierung bis zur Bautätigkeit. Bau- und Wartungsrisiko sinken für den Auftraggeber, die Gesamtkosten für die Realisierung können – je nach Projektvolumen – jedoch steigen, räumt Benes ein.

Hoffnungsträger Künstliche Intelligenz

Wie Künstliche Intelligenz und Big Data helfen können, den Energieverbrauch von bestehenden Gebäuden zu reduzieren und das Klima zu entlasten, zeigte Filippo Ferraris, Mitgründer von Enerbrain, auf. „Gebäude tragen 40 Prozent zum Energieverbrauch auf der Welt bei.“ Mehr als 30% Einsparungspotenzial sieht er, wenn Heizen, Kühlen und Ventilation mit IoT-Technologien, Machine Learning und mathematischen Algorithmen optimiert werden. Smarte Technologien, die wir täglich etwa bei Smartphones einsetzen, müssten noch viel gezielter für die Energieoptimierung von Gebäuden genutzt werden, so der Experte.

Parallelen zwischen der Entwicklung des Internet- und des Energiemarkts sieht Peter Blaschek, Head of Software Department der bereits erwähnten W & Kreisel Group; dabei ist der Energiebereich ein sehr disruptiver Markt und gleichzeitig ein regulatorisches Umfeld. Beides sind Indikatoren, die auch für die Entwicklung und Ausweitung des Internets relevant waren. Während Telekommunikationsunternehmen auf Infrastruktur-basierte Umsätze hingearbeitet haben, sei durch unterschiedliche Anbieter aus anderen Bereichen eine große Konkurrenz erwachsen. Ähnliches sei im Energiebereich zu beobachten: Disruptive Marktteilnehmer sorgen mit eigenen Photovoltaik- oder Windanlagen, mit Batterielösungen und E-Fahrzeugen für ein breiteres Angebot. Verbunden sei dies oft mit hohen Investitions- und Betriebskosten. Hier sei die Politik gefragt, die durch Förderungen Anreize für Investoren schaffen müsse.

Björn Frittum-Lafer von der Netz Niederösterreich GmbH warf einen Blick in die Zukunft der Energieversorgung und der Umsetzung der „#mission 2030“ in Österreichs größtem Bundesland. Die Photovoltaikproduktion werde sich laut Energiefahrplan zwischen 2010 und 2030 verachtfachen. Um ambitionierte Ziele wie dieses zu erreichen, seien u.a. umfangreiche Investitionen in Netzinfrastruktur und ein Umbau der Netzentgelte notwendig. Entscheidend sei auch, die Speichersysteme gezielt weiterzuentwickeln: Es brauche Saisonspeicher, um die erzeugte Energie dann sinnvoll nutzen zu können, wenn sie gebraucht wird.

Freistadt kommt ins Spiel

An dieser Stelle wird es höchste Zeit, ein „Noch-Start-up“ (kleine Abschweifung: Ist Tesla eigentlich auch noch ein Start-up?) aus Österreich zu präsentieren. Getrieben von der Vision, den elektrischen Antrieb in alle Bereiche der Mobilität zu integrieren, entwickelt die vier Jahre junge Kreisel Electric die weltweit leichtesten und effizientesten Hochleistungs-Batterien. Die Projekte reichen von E-Karts und Pkw über Busse und Lkw bis zu Booten und Flugzeugen sowie stationären Speicherlösungen. Zu den Kernkompetenzen von Kreisel Electric gehören neben eigenen Produkten die Batterie-Entwicklung und -Produktion, Integration & Testing, Prototypen & Serienfertigung und Software-Entwicklung; Kreisel positioniert sich somit als internationaler Anbieter von Systemlösungen.

Das spezielle Assembling und das innovative Thermomanagement sind entscheidend für die Leistungsfähigkeit der Kreisel-Batterietechnologie: Die Zellen in einem Kreisel-Akku werden mit einer Spezialflüssigkeit umspült, die für eine konstante Wohlfühltemperatur im Akku sorgt. Die spezielle Verbindungstechnik durch Laser sorgt für minimale Innenwiderstände und somit eine höhere Ladeleistung. Diese und weitere „Geheimzutaten“ machen den Kreisel-Akku besonders leistungsfähig und ermöglichen unerreicht hohe Reichweiten für Elektroautos. Die Herstellung ist gleichzeitig hochautomatisierbar und kostengünstig.

2016 wurde der stationäre Stromspeicher präsentiert, ein Jahr darauf eine innovative Schnellladesäule mit integriertem Speicher. Um der weltweiten Nachfrage nach seinen einzigartigen Batterie-Lösungen gerecht zu werden, eröffnete das Unternehmen 2017 ein neues Hightech-Forschungs- und Entwicklungszentrum. Kreisel Electric beschäftigt aktuell rund 100 Mitarbeiter am Standort Rainbach und wächst um ca. zwei Mitarbeiter pro Woche.

Ganz aktuell gab am 11. Juli die VinFast Manufacturing & Trading Co., Ltd. (VinFast) eine Kooperationsvereinbarung mit Kreisel Electric über die Entwicklung von Batteriepacks für Elektrobusse und -autos bekannt. „Wir glauben, dass Kreisel Electric zukunftsweisende Lösungen für die Elektroautos von VinFast bereitstellt und dazu beiträgt, die Käufer durch Qualität und Sicherheit zu überzeugen“, bekräftigte Le Thi Thu Thuy, Vizepräsidentin der Vingroup und Vorsitzende von VinFast. VinFast kann dank der Zusammenarbeit mit Kreisel die Produktion eigener Elektroautos und Elektrobusse beschleunigen und wird im Jahr 2020 E-Fahrzeuge mit Kreisel-Technologie auf den Markt bringen.

An der Weltspitze!

Praktisch zeitgleich, auch im Juli, wurde Kreisel Electric mit dem Frost & Sullivan Award ausgezeichnet. Das  globale Unternehmen mit Niederlassungen in 40 Ländern vergibt selbst jedes Jahr den Technology Leadership Award an führende Unternehmen für Entwicklung und Nutzung neuer Technologien. Zu diesem erlesenen Kollektiv darf sich nun auch Kreisel Electric zählen – eine hochoffizielle und internationale Ehrung für das einzigartige Produkt aus Oberösterreich, auf das auch Geschäftspartner und Kunden aus aller Welt schwören.

Bahnbrechende Ideen, exakte Planung und effiziente Umsetzung zum richtigen Zeitpunkt – das sind die Bausteine für den ausgezeichneten Erfolg der Brüder Johann (Produkt/Elektrotechnik), Markus (Vertrieb/Marketing) und Philipp Kreisel (Entwicklung/Forschung). Mit viel Mut und Einsatz haben es die drei geschafft, in einem oberösterreichischen Ort mit kaum 3.000 Einwohnern die beste Batterie unseres Planeten herzustellen.

Allerdings nicht allein: Es mussten schon auch andere mit ihnen gehen und nicht nur Vertrauen investieren. Dazu zählen OÖ Landesbank, Invest AG, Bank Austria, VKB – und auch Arnold Schwarzenegger, der sich besonders für den elektrischen Kult-Geländewagen Mercedes G 350 d begeistert. Am Rande des diesjährigen Hahnenkamm-Rennens in Kitzbühel hat der ehemalige Gouverneur von Kalifornien die erste Runde im gemeinsam entwickelten, designten und elektrifizierten Luxus-Geländewagen gedreht. „Da geht ein Traum in Erfüllung!“, freute sich Schwarzenegger. Der elektrifizierte Mercedes G 350 d schafft mit einer Stromladung realistische 300 km. Verbaut sind die Hochleistungs-Akkus von Kreisel mit einer Kapazität von 80 kWh – bei einem Gesamtgewicht von 510 kg. Der Kreisel-Akku ist im Auto verteilt: Unter der Motorhaube, im Heck als Ersatz für den Dieseltank und unterhalb des Einstiegs. Mehrere Elektromotoren mit Reduktionsgetriebe sind direkt auf das Verteilergetriebe aufgesetzt worden, das Hauptgetriebe wurde entfernt. Das kraftvolle Elektroauto bringt 360 kW (490 PS) auf die Straße und schafft es in 5,6 Sek. von 0 auf 100 km/h – mehr als drei Sek. schneller als das Original mit dem Diesel-V6-Motor. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 183 km/h. Und last but not least: Das Auto kann innerhalb von 25 min zu 80% aufgeladen werden …

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