Österreichische Finanzchefs wegen COVID-19 im Stimmungstief

Laut aktueller Deloitte-Umfrage sind 64 % der österreichischen CFOs pessimistischer als vor drei Monaten.

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Bereits zum Ende des Vorjahres zeichnete sich eine gewisse Ernüchterung unter Europas Finanzvorständen ab. Durch die weltweite COVID-19-Pandemie hat sich die Stimmung im ersten Quartal 2020 jedoch nochmals drastisch verschlechtert. Das Beratungsunternehmen Deloitte verzeichnet im aktuellen CFO Survey ein Rekordtief seit 2015. Insgesamt wurden im März 2020 rund 1.000 Finanzvorstände aus 18 europäischen Ländern zur aktuellen Situation befragt, darunter auch 50 Top-CFOs in Österreich.

„Das Coronavirus hinterlässt deutliche Spuren in der österreichischen Wirtschaft. Der Großteil der Finanzchefs zeigt sich daher wenig optimistisch: Rund zwei Drittel der österreichischen Befragten blicken pessimistischer in die finanzielle Zukunft ihres Unternehmens als noch vor drei Monaten“, erklärt Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich.

Langfristige Auswirkungen auf Umsatz

Weltweit kursieren die unterschiedlichsten Szenarien zum weiteren Verlauf der Krise und der damit einhergehenden Rezession. Die europäischen Finanzchefs sind laut Deloitte Umfrage derzeit wenig zuversichtlich: Über drei Viertel erwarten innerhalb der nächsten sechs Monaten sinkende Unternehmensumsätze durch COVID-19. In Österreich rechnen zwei Drittel zumindest mit einem kurzfristigen Rückgang, 57 % befürchten auch auf lange Sicht rückläufige Umsatzzahlen.

„Anstelle einer schnellen und starken Erholung bereiten sich die Unternehmen auf eine eher schleppende Erholung ihres Geschäftes vor. Das wird sich längerfristig auf den Erfolg der meisten Unternehmen auswirken“, analysiert Marterbauer.

Trüber Ausblick für Beschäftigung

Aufgrund der verhaltenen Geschäftserwartungen fahren aktuell viele europäische Unternehmen ihre Einstellungspläne zurück. Auch unter den heimischen CFOs gehen 43 % der Befragten von einem Rückgang der Mitarbeiteranzahl in den nächsten zwölf Monaten aus. Dieses Ergebnis markiert eine Trendumkehr im Jahresvergleich. Im vorigen Quartal erwarteten die meisten Unternehmen noch einen Anstieg – aber das war vor COVID-19. Auch die Risikobereitschaft nimmt ab: Nur ein Viertel der österreichischen Befragten ist derzeit bereit, höhere Risiken in der Bilanz einzugehen.

„Generell kommt es aktuell zu einer Neubewertung des Risikoumfeldes durch die Finanzvorstände: Die schlechten Konjunkturaussichten haben den Fachkräftemangel derzeit als größten Risikofaktor abgelöst. Auch die sinkende Auslandsnachfrage bereitet den CFOs momentan Kopfzerbrechen“, ergänzt Deloitte Experte Gerhard Marterbauer.

Reaktive Maßnahmen zur Abfederung

Um die Folgen von COVID-19 für das eigene Unternehmen einzudämmen, setzen viele Befragte auf reaktive Maßnahmen. 55 % der heimischen Unternehmen wollen in erster Linie die Ausgaben reduzieren. Auch neue Arbeitsmodelle für die Belegschaft (52 %) sowie die Überprüfung der Kommunikation mit wichtigen Stakeholdern (42 %) stehen jetzt weit oben auf der Unternehmensagenda. Diese Tendenz lässt sich laut der Deloitte Studie in ganz Europa feststellen.

Auch die strategische Ausrichtung der Unternehmen wird durch die jüngsten Entwicklungen beeinflusst: Neben der Senkung der Kosten und des Betriebsaufwandes sind das Wachstum in bestehenden Märkten und das Vorantreiben der Digitalisierung die zentralen strategischen Ziele der österreichischen CFOs. „In der derzeitigen Krise konzentrieren sich die Unternehmen auf die Sicherung der Liquidität und die effektive Nutzung vorhandener Ressourcen“, sagt Marterbauer. „Auch die Digitalisierung wird nun stark vorangetrieben – das kann auch ein Erfolgsfaktor für die Zeit nach der Krise sein.“ 

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