Was Top Leader anders = besser machen – Das Periodensystem der Führung

Helga Pattart-Drexler, Head of Executive Education der WU Executive Academy, hat sich die einzelnen Gruppen dieser Leadership-Elemente für TOP LEADER genauer angesehen und erklärt, warum es auch im Periodensystem der Führung vier Aggregatzustände gibt und was gute Führung tatsächlich ausmacht.

Lesezeit: ca. 3 min

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Wir Menschen sind ständig auf der Suche nach Struktur und Ordnung. Dieses Bedürfnis hilft uns dabei, mitunter komplexe Zusammenhänge besser einordnen zu können. Das gilt auch dann, wenn es darum geht, das vielschichtige Thema Leadership aus einer holistischen Perspektive heraus zu verstehen. Dazu kann es hilfreich sein, bereits bestehende Struktursysteme aus einer anderen Disziplin wie etwa den Naturwissenschaften heranzuziehen. Die chemischen Elemente des Periodensystems eignen sich wunderbar dazu, Analogien zur Führung herzustellen und sich daran zu orientieren.

So wie in der Chemie ein Stoff je nach Temperatur und Druck unterschiedliche Erscheinungsformen (Aggregatzustände) annimmt, so unterscheiden sich im Periodensystem der Führung die unterschiedlichen Elemente je nachdem, wie sich eine Führungskraft Kompetenzen (Skills) aneignet und welche Erfahrungen sie in diesem Zusammenhang mitbringt.

1. Aggregatzustand „fest“: die Hard Skills

Zu den Hard Skills zählen jene Fähigkeiten, die sich Menschen im Rahmen einer Aus- oder Weiterbildung aneignen. Die Regeln, die dem Wissen in einem bestimmten Bereich zugrundeliegen, behalten immer ihre Gültigkeit, unabhängig davon, in welcher Branche, Funktion oder sogar Kultur sie angewendet werden. Sie sind überprüfbar, abgrenzbar und können in der Regel leicht erlernt bzw. verbessert werden.

  • Unternehmensführung (Uf) (Strategische Kompetenz (St), Führungskompetenz (Fü))
  • Wissensanwendungskompetenz (Wak)
  • Digitalkompetenz (Dg) (Programmierverständnis (Pg))
  • Change Management-Kompetenz (CMk)
  • Analyse- und Interpretationsfähigkeit (Ay und Ip)

2. Aggregatzustand „flüssig“: die Methoden-Kompetenz

Die Methoden-Kompetenz beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, die passenden Tools und Techniken richtig und effektiv anzuwenden, gerade wenn es darum geht, sich selbst und sein Team zu entwickeln, Probleme erfolgreich zu lösen und andere entsprechend zu befähigen, ihre Stärken auszuspielen. Auch durch die fortschreitende Digitalisierung kommt der Methodenkompetenz eine steigende Bedeutung zu. In unserer modernen Arbeitswelt stehen immer mehr Tools und Methoden zur Verfügung, die man beherrschen muss.

  • Wissensmanagement (Wi)
  • Selbstführung (Sf)
  • Teamentwicklungskompetenz (Tw)
  • Inkompetenzkompensations-Kompetenz (IkK)
  • Empowerment (Ep),Motivation (Mo) und individuelle Förderung (Fö), Stärken-/Schwächen-Analyse (SSAy)
  • Umgang mit Neuen Medien (Me)

3. Aggregatzustand „gasförmig“: die Soft Skills

Im Gegensatz zu den Hard Skills sind Soft Skills weniger greifbar und daher schwerer zu vermitteln. Im Zentrum stehen persönliche Werte, Eigenschaften, individuelle Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, die – zusammengenommen – die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen und ihn dabei unterstützen, sich in seinem Umfeld zurechtzufinden, mit anderen zu interagieren und seine Ziele zu erreichen.

  • Entscheidungsfähigkeit (En)
  • Emotionale Intelligenz (Ei) (Resilienz (Rs), Empathie (Em))
  • Konflikt- (Kk) und Fehlerkultur (Fk) fördern
  • Problemlösungskompetenz (Pl)
  • Lernbereitschaft (Lb)
  • Feedback-/Feedforward-Fähigkeit (Ff)
  • Funktionsübergreifendes Denken (Fd)

4. Aggregatzustand „plasmaförmig“: die neuen Leadership-Qualitäten

Neben den drei klassischen Aggregatzuständen braucht es wie in der Chemie unter extremen Bedingungen spezielle (Leadership-)Qualitäten. Das gilt besonders in unserer VUCADD (Volatile, Uncertain, Complex, Ambiguous, Diverse, Dynamic)-Welt. Diese Qualitäten helfen einerseits dabei, die eigenen Hard Skills, Methoden-Kompetenzen und Soft Skills harmonisch miteinander zu verschränken und streichen andererseits jenes Mindset hervor, das es braucht, um eine optimale Performance auf die Straße zu bringen.

  • Offenheit (Of)
  • Mut (Mt)
  • Fokus (Fo)
  • Tatendrang (Td)
  • Wertschätzung (Ws)
  • Selbstverankerung (Sv) und Gelassenheit (Gl)
  • Unternehmergeist (Ug) (Diversität (Di) gestalten)

Der irische Schriftsteller George Bernard Shaw hat etwas gesagt, das nicht besser auf modernes Leadership zutreffen könnte: „Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.“

Helga Pattart-Drexler: „Genauso verhält es sich mit guten Führungskräften bzw. Top Leaders. Auch wenn es wie im Periodensystem einzelne Elemente gibt, die „gute Führung“ ausmachen, so ist auch Leadership ständiger Veränderung unterworfen. Und das gilt insbesondere in Zeiten von New Work und digitaler Transformation!“

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