Welche Branchen haben Zukunft?

Durchaus witzige Fehleinschätzungen von der Eisenbahn bis zum iPhone.

Lesezeit: ca. 3 min

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Viele Experten wissen stets die logisch klingende Antwort auf die Frage, welche Branchen und welche Unternehmen sich in naher oder auch fernerer Zukunft positiv entwickeln werden. Etwa, dass aus derzeitiger Sicht die Pharmabranche, Streaming Dienste, Internetsecurity und die Roboterindustrie gut performen müssten und man die Öl- und Luftfahrtbranche eher meiden sollte. Die Geschichte zeigt aber, dass man mit solch fixen Erwartungen auch völlig falsch liegen kann …

Ein anschauliches Beispiel ist die Automobilbranche. Der US-Elektroautohersteller Tesla liefert beispielsweise eine tolle Börsenstory. Die Aktie ist derzeit an der Börse so teuer, dass sie mehr wert ist als VW, Daimler und BMW zusammen. Weil aber Tesla ein schlechtes Kreditrating hat und zudem auch noch nie Gewinne erzielt hat, ist die Aktie wohl eher keine Empfehlung.

Hohe Erwartungen treiben die Kurse so sehr nach oben, dass der Erfolg an der Börse oft schon Jahre vorweggenommen ist. Während andere Unternehmen völlig unbeachtet immer noch Geld verdienen, aber an der Börse längst abgestraft wurden, weil ihre „Story“ wenig vielversprechend klingt, etwa VW. Die VW-Aktie hat ein KGV von 8, ist also analog eine „billige“ Aktie. Der Markt hat die geringen Wachstumserwartungen der Automobilindustrie bereits mehr als vorweg genommen.

Auch die Amazon-Aktie verdient einen kritischen Blick: Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 80, womit das Unternehmen an der Börse zum 80-fachen Gewinn bewertet ist oder anders gesagt, der Kaufpreis zum aktuellen Kurs erst in 80 Jahren amortisiert wäre. Auch die Aktienkurse der Tabakindustrie schienen in der Vergangenheit fast paradox: Sie stiegen noch Jahrzehnte lang, obwohl Klagen und Verboten der Branche bereits stark zugesetzt hatten.

Historische Fehleinschätzungen

Ein Ausflug in die Vergangenheit offenbart, wie sehr sogar Profis bei der Einschätzung einzelner Branchen völlig falsch liegen, oft aus später nicht mehr nachvollziehbaren Gründen: Als die Rothschilds versuchten, Investoren für ihr Eisenbahnprojekt zu finden, gab es viele kritische Stimmen. Nicht, dass etwa ein lästiges Umweltverträglichkeitsverfahren die Sache verzögert hätte, nein, es waren andere Hemmnisse. Es gab schon damals Gutachten und Gegengutachten, um das Ertragspotenzial eines solchen Investments auszuloten und eines dieser Gegengutachten hielt ein Eisenbahnprojekt für völlig ausgeschlossen. Aus medizinischen Gründen. Es sei nicht sichergestellt, ob die menschlichen Lungen für Geschwindigkeiten jenseits der 30 km/h ausgelegt seien, hieß es. Man fürchtete, dass eine Fahrt durch einen Tunnel den Erstickungstod vieler Fahrgäste nach sich ziehen würde und es sollte sich in jedem Wagen ein Mediziner befinden, lautete damals manch wissenschaftliche Meinung.

Die Geschichte des Automobils veranschaulicht ebenfalls, wie sehr Techniker, Mediziner und eben auch Investoren irren können: Ein gewisser Herr Daimler war überzeugt vom Siegeszug dieser neuen Fortbewegungsmöglichkeit, räumte aber gleichzeitig ein, dass das zu erwartende Wachstum einen natürlichen Deckel habe – „es sei nämlich mit der Anzahl der ausgebildeten Fahrer limitiert“.

In der jüngeren Vergangenheit war es das iPhone, das – im Rückblick völlig absurde – Aussagen provozierte. Als Steven Jobs im Jänner 2007 das erste iPhone vorstellte, meinte Steve Ballmer „zu verspielt, zu teuer – das wird ein Flop“. Und Ballmer war damals niemand geringerer als der CEO von Microsoft, also eines Tech Giganten, dem man eine Prognose für „seine“ Branche eigentlich zutrauen konnte.

Oder wer hätte 2007 gedacht, dass die meisten Online-Buchungen für Busreisen über eine Busgesellschaft getätigt werden, die nur einen einzigen Bus hat, nämlich Flixbus? Wer hätte angenommen, dass ein paar Jahre später täglich abertausende Buchungen weltweit bei einer Hotelkette abgewickelt werden, die kein einziges Hotel besitzt, nämlich booking.com?

Fakten statt Spekulation

Dennoch bleiben unterm Strich einige Faktoren, die wohl Bestand haben werden, weil sie sich beispielsweise direkt aus der Corona-Krise ergeben: Pharma-Unternehmen, die erfolgreich einen Impfstoff entwickeln, werden Welt- und Börsenruhm erringen. Die Bedeutung der pharmazeutischen Forschung hat eine neue Dimension bekommen und wird zunehmend Investorengelder anziehen.

Ebenso verdienen Technologie-Firmen, die Cloud-Computing oder Tools für Videokonferenzen anbieten, erhöhte Aufmerksamkeit.  Auch der Trend e-sports hat enorme Wachstumsraten und -prognosen. Der FC Bayern schickt seine e-Mannschaft ins Rennen und in Südkorea gibt es bereits e-sports-Meisterschaften, also virtuelle Fußballspiele auf dem Computer. Diese füllen Stadien mit 20.000 Menschen.

Vom unaufhaltsamen Wachstum der Weltbevölkerung sollten weiters Nahrungsmittelkonzerne profitieren. Aber auch bei ihnen zeigt die jüngere Vergangenheit, dass dem nicht so sein muss: Außer Nestle konnte keiner der Food-Giganten seinen Börsenwert halten oder steigern. Ein wahres Blutbad gab es z.B. bei der Aktie von Kraft Foods, bei der mit Warren Buffet ein Aktionär eingestiegen ist, dem man bisher blind vertrauen konnte …

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